Der Sommer, der Klimawandel

Im T-Shirt auf dem Mer de Glace – nicht einmal neben dem Gletscher ist es diesen Sommer richtig kühl. (Quelle: Froggfotos)

Wer immer noch nicht an den Klimawandel glaubt, sollte das Mer de Glace in Chamonix, Frankreich, besuchen – einen Gletscher, zu dem man mit einer Bergbahn auf 1900 Meter hochfahren kann. Er ist touristisch sehr gut erschlossen. Deshalb gibt es Marken, die zeigen, wie sehr sich das Eis in den letzten 150 Jahren zurückgezogen hat. Die Reste des einst majestätischen Eismeers unterhalb der Bergbahn bieten ein trauriges Bild.

Aber diesen Sommer braucht man nicht in die Berge zu reisen, um sich davon zu überzeugen, dass der Klimawandel stattfindet. Mittelmeerwetter ist zu uns auf die Alpennordsweite gekommen und geblieben. Zwischen den Häuserzeilen brutzelt der Asphalt, die Wiesen draussen dörren still vor sich hin. Früher war der Regen im Sommer das Verlässlichste, was es gab. Fast immer musste man sich am Morgen überlegen, ob man nun wirklich die hübschen Sandalen anziehen sollte für den ganzen Tag anziehen sollte. Gewiss würde gegen Abend ein Gewitterregen die Riemchen aufweichen

Nicht dieses Jahr. Dieses Jahr rufen sie statt Regengüssen Trinkwasserknappheit aus. Und am 1. August, unserem Nationalfeiertag, herrschte absolutes Feuerverbot. Normalerweise erhellen am Abend dieses Tages Unmengen von Feuerwerk den Himmel, Böllerschüsse allüberall, Höhenfeuer brennen an den Hängen, Lampions auf den Balkonen. Nicht dieses Jahr. Dieses Jahr fiel langsam die Dämmerung, und dann blieb es still und dunkel. Noch nie habe ich einen unfestlicheren 1. August erlebt.

Aber ändern sich deshalb die Menschen? Setzt sich langsam die Einsicht durch, dass puncto umweltbewusstem Leben jeder bei sich selber anfangen muss? Kaum. Die einen sparen vielleicht ein wenig beim Rasensprengen oder Autowaschen. Einige, weil sie müssen. Das Trinkwasser wird da und dort allmählich knapp.

Aber die öffentliche Diskussion dominiert unsere Rechtspartei SVP. Und die sagt sinngemäss: „Wenn wir neue Gesetze machen, bringt das gar nichts. Die Schweiz ist ein kleines Land. Sollen die Amerikaner und Chinesen anfangen. Die sind schuld.“ Also kann man munter weiter mit seinem SUV herumbrausen. Mit einem Billigflug nach Hongkong düsen. Sich das Mineralwasser über aus 1000 Meilen Entfernung herankarren lassen und jeden Abend ein Vollbad nehmen. Wenn wir etwas tun, bringt es ja nichts.

Vielleicht ist es die Hitze, die mich abends manchmal ganz angstvoll macht. Dann liege ich da und denke: „Die Menschheit ist wohl nicht zu retten.“ Und ich versuche mir vorzustellen, wie unser Untergang wohl vor sich gehen wird.

3 Gedanken zu „Der Sommer, der Klimawandel“

    1. Na, mal schauen, Katastrophen haben so eine Art, nicht zwischen Schuldigen und Unschuldigen, Dumpfbacken und Hellköpfchen zu unterscheiden. Ich bin auch gar nicht sicher, auf welcher Seite ich stehe 🙂

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