20 Jahre nach 9/11

Ein Bild, das wir hundertmal gesehen haben: Anschläge auf die Twin Towers in New York (Quelle: BBC).

Wo ich am 11. September 2001 war? Ach Gott, das habe ich so oft erzählt, und heute scheint es auch nicht mehr so wichtig. Die Anschläge jenes Tages kommen mir heute vor wie ein vorübergehender Einbruch des Horrors in einen fernen, strahlenden Septembertag. Eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem, was hier bei uns im Frühjahr 2020 mit Covid-19 kam. Klar, das ist ein subjektives Gefühl – 2001 sass ich hier in der sicheren Schweiz, in einer Redaktionsstube. Redaktionsstuben fühlen sich manchmal wie eine Festung an, auch wenn die Menschen drin in Aufruhr sind.

Hat 9/11 etwas an unserem Leben geändert? Ja, wahrscheinlich. Aber wir Ü50 wissen auch: Dinge geschehen, und zehn oder zwanzig Jahre später wissen wir nicht, wer wir wären, wenn alles anders gelaufen wäre. Für mich einschneidend waren die vielen Jahre Hetze gegen Muslime, die folgten. Ich habe bei der Arbeit schreckliche Dinge gelesen. Die Menschen hatten Angst vor dem Islamismus und droschen auf alle Muslime ein. Höhepunkt: eine Volksinitiative, die den Bau von Minaretten in der Schweiz verbieten wollte. Grundton: Wir lassen nicht zu, dass die Muslime uns überrennen. 2009 angenommen.

Doch irgendwann rückte das alles an den Rand meines Radars. Erst als die Amerikaner aus Afghanistan abzuziehen begannen, mussten wir lernen: Vorbei ist es nicht, war es nie. Wir werden sehen, was kommt.

Eine Frage, über die ich in diesen Tagen manchmal nachdenke: Als ich 1965 zur Welt kam, waren seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ziemlich genau 20 Jahre verstrichen. Eigentlich eine unglaublich kurze Zeit. Und doch wirkten alle, auch meine Grosseltern, in meiner Kindheit so unbelastet vom Krieg. War die Erinnerung an jene Zeit für sie auch nur ein vorübergehender Einbruch des Horrors in einen strahlenden Tag?

2 Gedanken zu „20 Jahre nach 9/11“

    1. Danke für den Hinweis. Das schaue ich mir an, wenn ich dazu Gelegenheit habe. Ich erinnere mich auch sehr gut an den Tag. Nur eben, ich habe irgendwie keine Lust mehr, das zu erzählen.

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