Ein beglückendes Erlebnis

Das Klimaspuren-T-Shirt von der grossen Wanderung 2021, das am Wochenende viele trugen.
Gestern habe ich habe ich darüber berichtet, wie ich beinahe Einsiedlerin geworden wäre. Ich muss jedoch unbedingt hinzufügen, dass die Klimagespräche in Flüeli-Ranft (wegen denen ich überhaupt dort oben war) für mich schliesslich eine überraschend glückliche Wendung nahmen. Es ist ja so: Die Gespräche waren ein grosses Stelldichein der Klimapsuren-WandererInnen von 2021. Das T-Shirt zu diesem Marsch zeigt lauter kleine Punkte, die man durchaus als Fussspuren interpretieren kann. Dass einige von ihnen am vergangenen Wochenende durch meinen unwegsamen Gehörgang und damit auch direkt zu meinem Herzen führten, erfüllt mich mit grosses Dankbarkeit.

Der erste, der mich erreichte, war Walter, ein älterer Herr, beim Mittagessen. Er wusste bereits, dass ich in einem vollen Speisesaal nur schwer ansprechbar bin. Trotzdem sagte er nach dem ersten Gang mit einem väterlich-pfiffigen Lächeln: „So, nun gib mir mal Deinen Salatteller mit, damit …“, den Rest verstand ich nicht. Doch mir klar, dass er die Ablage für gebrauchtes Geschirr gefunden haben musste, nach der ich vergeblich Ausschau gehalten hatte. Mein Ärmel hing deshalb beinahe in das zur Seite gestellte Geschirrstück mit Sauce. Walter trug unsere Salatteller weg, und als er zurückkam fasste ich ich Zutrauen zu ihm und seinem Bündnerdialekt. Uns gelang dann tatsächlich eine kleine Konversation, er hat sich bestimmt ganz schön angestrengt. Er berichtete von einer eigenhändig lancierten Petition zu Handen des Churer Gemeinderates, mit der er erfolglos versucht hatte, den Bau einer neuen Strasse zu verhindern. Man beschied ihm, die breite Öffentlichkeit sei bei dieser Sache gar nicht mitspracheberechtigt. So plauderten wir ein wenig über politische Rechte und die Demokratie. Und über das Paralleluniversum, in dem Klimakämpfer leben.

Referent Dominik Siegrist fragte extra bei mir nach, ob er sein Referat zum Thema „Fallen uns die Berge auf den Kopf?“ besser mit oder ohne Mikrofon halten solle. „Ohne“, sagte ich, „einfach deutlich sprechen reicht.“ Und wirklich: Ich habe fast alles verstanden, ausserdem war da eine hilfreiche Power Point-Präsentation. Klimaschutz plus Inklusion, nennt man das wohl.

Später, beim Essen, kamen Annette und Harry vorbei, die ich schon ein paar Jährchen kenne, und wir plauderten ein bisschen unter freiem Himmel, unter anderem übers Zügeln.

Dazu, dass all dies überhaupt möglich war, hat Herr T. viel beigetragen. Ich unterschätze seinen Einsatz manchmal ein bisschen, und wenn ich unleidlich werde, ist er immer der Betroffene. Aber dafür, dass da oben schliesslich doch einiges möglich war, war es sicher der Wegbereiter.

4 Gedanken zu „Ein beglückendes Erlebnis“

  1. „Fallen uns die Berge auf den Kopf?“, das klingt reichlich surreal, so als würden Berge gleich Wolken über den Himmel ziehen. Dass ihnen der „Himmel auf den Kopf fallen“ könnte, davor hatten bekanntlich die Kelten Angst.

    1. Danke Dir für den Kommentar, lieber Jules. Nun ja, an die Kelten und Asterix mag Dominik Siegrist auch gedacht haben, als er dem Vortrag diesen Titel gab. Ganz sicher hatte er aber den Bergsturz von Bondo im Kopf, bei dem acht Menschen ihr Leben verloren (zugegebenermassen wurden sie wahrscheinlich von den herunterdonnernden Felsmassen einfach in Sekundenbruchteilen ganzkörperlich verschluckt). Aber der Berg donnerte auch auf das Dorf Bondo zu seinen Füssen, und wenn man sich die topographischen Gegebenheiten in der Gegend ein wenig vor Augen führt, ist das „auf den Kopf fallen“ nicht mehr ganz so surreal. Um die Vorstellung ein wenig zu vertiefen, empfehle ich einen Blick in dieses Youtube-Video: https://www.youtube.com/watch?v=13jcAEZuQ4A&t=1246s.

      Ich finde zudem, man darf dem Titel ein wenig poetische Lizenz geben, gerade auch im Bezug auf die Kelten. Sie fürchteten nichts, als dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte, also dass das sehr Unwahrscheinliche, alle Gewissheiten Verändernde geschehen könnte. Genau auf eine solche Situation donnern wir ja mit dem Klimawandel eigentlich zu.

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