Die Hitze des Unterwallis

In Chexbres umfächelte uns wenigstens nachts noch ein kühles Lüftchen. Aber nun sollte unsere Reise nach Sion weitergehen, ins Unterwallis. Es waren für den Juni rekordverdächtige Temperaturen über 30 Grad angesagt. Das kühle Lüftchen, die Bise, sollte sich nun legen. Ich fürchtete mich ein wenig. Seit einigen Jahren schlafe ich bei Temperaturen über 20 Grad schlecht und leide dann tagsüber an Stimmungstiefs.

Aber geplant ist geplant. Der Zug führte uns durch den Bahnhof Montreux mit seinem repräsentativen, klassizistischen Dekor, dann am Schloss Chillon vorbei und hinein ins Alpental. Das Land hier gab einst Rainer Maria Rilke neue Zuversicht. Ich kannte es nur von der Durchreise.

Junge Frau kühlt sich in einer Bahnhofunterführung im Unterwallis ab.

Das Unterwallis gehört in Grunde schon dem Süden. In tiefen Lagen ist es hier oft wärmer als auf der Alpennordseite, und es regnet seltener. Der Talboden: flach und eine Woche lang glutheiss wie ein Pizzateig im Ofen, bedeckt mit Aprikosenbäumen und da und dort  einer Fabrik, an den Hängen Weinreben. In den Städten die uralten Türme und Mauern, für die ich gekommen war. Da, wo der Teig am Rande Blasen wirft, liegt Sion. Wir stiegen aus und fanden einen nüchtern anmutenden Bahnhof, wo wir erst mal unser Gepäck in ein Schliessfach verstauten. Wir konnten unsere Ferienwohnung noch nicht beziehen. Dann machten uns auf die Suche nach der Altstadt. Wir bewegten uns durch die Strassen einer wenig ansprechenden neueren Stadt wie durch geschmolzenen Käse. Ich dachte: Naja, die Ferienwohnung hier ist ja nur ein Stützpunkt für zahlreiche Ausflüge diese Woche, das ist schon ok. Es sollte sich zeigen, dass ich keine Ahnung hatte.

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