Schweizerdeutsch 57: Der erste Schnee

Ein Hauch von Winter heute, auch im oberen Seetal (von Honhenrain aus gesehen).

Donnerstag und Freitag ist bei uns der erste Schnee gefallen. Jetzt frage ich mich, ob es meinen anderen Schweizer Leserinnen und Lesern auch so geht: Wenn die ersten Flocken durch die Luft wirbeln, weht mir immer dieses Kinderlied durch den Kopf:

Es schneielet, es beielet,
Es good e chüele Wend
Ond d’Meitschi legged d’Händsche n a
Ond d’Buebe laufend gschwend

Das Lied ist heute noch populär, es gibt mehrere Fassungen davon auf YouTube, das poppigste hier.

Falls jemand den Text übersetzt haben möchte, bitte melden. Mich dünkt das einfach, aber ich kann nicht für ein Nordlicht sprechen. Ich habe mich nur mein Leben lang gefragt, was «es beielet» heisst. Wahrscheinlich Kinderreim-Nonsens, habe ich gedacht. Aber eben habe ich es mal gegoogelt, im Schweizerischen Idiotikon gibt es eine Erklärung, siehe hier: Das Wort vergleicht die herumtanzenden Schneeflocken mit einem Bienenschwarm.

20 Gedanken zu „Schweizerdeutsch 57: Der erste Schnee“

  1. Ahja, danke für die Aufklärung. Wir hatten das Lied auch im Kindergarten, und ich hab grad geschaut, tatsächlich gibts das auch auf Schwäbisch. Ich kenn aber den Text nicht mehr, nur noch bis zum kühlen Wind, den Rest weiß ich nicht mehr. Aber was „beielet“ heißt, war mir tatsächlich auch ein Rätsel. Und ja, das Lied fällt mir auch immer wieder gleich ein, wenn ich Schneeflocken herumfliegen sehe.

      1. Das ist schon ein sehr anderer Sound als bei uns, häuslich und etwas melancholisch (den Text verstehe ich leider nicht). Bei uns sind es wilde Kinder, die man sich beim Singen dieses Songs vorstellt.

  2. „Meitschi“ kenne ich dank eines populären Liedes von Polo Hofer.
    Mit „beleiet“ habe ich nun ein schönes Wort dazugelernt.
    Liebe Grüsse aus dem seit ein paar Stunden verschneiten Wien.

  3. Nun ist mir ein Licht aufgegangen. Kenne das Lied auch von Kindheit an und dachte immer, das «beielet» stehe da allein des Reimes wegen und ohne eigentlichen Sinn. Weit gefehlt! Natürlich sind und waren mir auch die «Beii» ein Begriff – ist, glaub ich, Berndeutsch und phonetisch korrekt gar nicht so einfach zu schreiben –, die Bienen. Aber aufs «beiele», das Herumschwärmen, wäre ich nie gekommen.

    1. Danke Walter. Es ging mir genauso, aber im Grunde ist es eine schöne Metapher, obwohl der Schneefall die Beii ja genau vom Arbeiten abhält. Das Doppel-i ist tatsächlich ein lustiger Laut. Es gibt noch im Türkischen, vielleicht im Chinesischen 🙂

    1. 🙂 Das ist nicht der erste solche Kommentar, den ich erhalte. Ich glaube, für Menschen, die in solchen Phasen mit dem Auto unterwegs sind, ist der Schnee auch in der Schweiz nicht so lustig (obwohl es diesmal, wohl wegen der geringen Menge) ohne ausufernde Verkehrsmeldungen ausging.

  4. Nicht nur zum Schnee, sondern auch zum Regen gibt es Lieder. Kennst du das hier, oder ist das Quatsch?

    „Es regnet und tröpflet,
    dä Himmel isch grau,
    s’Wasser lauft d’Gass ab,
    dr Bsetzistei blau.

    Es regnet und plüteret,
    dr Wind bläst e Züg,
    d’Chinder springed Pfütze,
    wer wird denn da müed?“

    1. Oh, du hast dich wieder mit KI versucht, rabi! Interessant, was dabei herauskommt. Das geht als Schweizerdeutsch durch – wenn auch als das eines Sprechers, der nicht so recht weiss, welchen Dialekt er hat, der hier ein Wort erfindet und dort ein Verb fallen lässt.

      1. ich hatte extra eingegeben, dass es Luzerner Dialekt sein soll. Aber anscheinend weiß die KI damit nichts anzufangen. In einigen Jahren wird man wahrscheinlich nicht mehr unterscheiden können, ob ein Text von der KI kommt oder von einem „echten“ Menschen. Bis dahin muss sie noch trainiert werden. Wie kommst du denn auf deine Texte? Du hast dafür doch auch „trainiert“, oder?

        1. Ich? Trainiert? Ja, wenn du so willst: Ich schreibe fast täglich, lese viel, das ist mein Training. Ich bin keine Meisterin, weiss Gott, aber Ideen habe ich immer.

  5. Ein hübsches und im Süddeutschen bekanntes Lied.
    Aber besonders ist, dass auch der Muttersprachler nie auslernt. Ein Beispiel? Viele Jahre lang habe ich mich (als Kind angstvoll) gefragt, was wohl die Näglein sind, mit denen Kind oder Bettdecke (in: Guten Abend, gut Nacht…) besteckt sind. Es gibt mehrere Lösungsvorschlage.

    1. Oh nein, die Doppeldeutigkeit ist wirklich etwas beunruhigend! Seltsam, wir kannten das Lied auch, als ich ein Kind war. Aber ein simples Gemüt wie ich denkt dann immer gleich, ok, Rosen und Nelken, das passt doch 🙂

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