Fägnäscht (N, n)
Eine direkte Übersetzung ins Standarddeutsch gibt es nicht. Gemeint ist eine unruhige Person, meist ein Kind oder eine Frau, die unablässig ihr Nest ausfegt und Dinge in Unordnung bringt.
In den letzten Tagen waren Herr T. und ich zweimal im Kino – eine Jim Jarmusch-Retrospektive lockte. Beim zweiten Besuch musste ich feststellen, dass ich in Menschenmengen heute noch viel schneller nervös werde als früher schon. Das Kino am Sonntag war zwar noch halb leer. Aber als zwei Reihen vor mir ein älterer Herr ein halb volles Matcha-Glas so unkoordiniert umherschwenkte, als wäre er eine angetrunkene Figur aus einem Jarmusch-Film, wurde ich kribblig.
Ich sagte nichts. Aber als die Begleiterin des älteren Herrn sich gesetzt hatte, dann wieder aufgestanden war, den Matcha-Mann am Ärmel gezupft, auf die andere Seite des Mittelgangs gewechselt, sich dort gesetzt hatte, wieder aufgestanden war und nach einem noch besseren Platz Ausschau hielt, warf Herr T. mir einen vielsagenden Blick zu. Ich nickte und flüsterte: «Sii esch es Fägnäscht». So nannten unsere Grosseltern ihre Enkelinnen, wenn sie unruhig waren. Man kann die Bezeichnung aber schon auf eine erwachsene Frau anwenden. Das Matcha-Ehepaar habe insgesamt sechsmal den Platz gewechselt, berichtete später Herr T. «Omefägnäschte», wäre das richtige Verb für eine solche Tätigkeit.

Da, wo ich geboren bin, heißt so eine Person „Wüppsteert“.
Lustiges Wort! Ist da das Wort „wippen“ drin? Und was wird gewippt? Oh, ich hab’s kurz nachgeschlagen! Gemeint ist eine Bachstelze (die ja sehr oft unruhig den Schwanz auf- und abwippen lässt). Sehr schön.
Das kenne ich auch von Restaurants so: Je mehr freie Plätze es gibt, desto länger brauchen die Menschen, um einen Platz zu finden – denn vielleicht gibt es ja einen noch optimaleren.
Und was «Fägnäscht» betrifft: das war am 24.06.2019 das „Wort der Woche“ (SurseerWoche) ; diese Woche ist es übrigens «Waschli» und letzte Woche war es «fäcke» – ich kenne beide nicht. – Ach, eigentlich wollte ich sagen, dass es in Rorschach einen Indoor-Spielplatz mit dem Namen «Fägnäscht» gibt, und dass Rorschach der einzige Ort in der Schweiz ist, wo ich mal war (nachdem ich mit dem Schiff über den Bodensee gefahren war. Das war 1986, also vor 40 Jahren).
Danke für den Hinweis auf die „Soorser Woche“, die ich leider viel zu selten lese – obwohl „Soorsi“ gar nicht mal weit weg von hier ist. „Waschli“ kannte ich nicht, hab’s aber nachgeschlagen. Macht komplett Sinn: jemand, der Gewäsch verbreitet. Auf deutsch vielleicht wie „Wischiwaschi plappern“, auf englisch „to waffle“. Ein*e Langweiler*in. „Fäcke“ für „Flügel“ oder „Kleidungsstück“ kannte ich vom Hören, habe ich aber nicht im Aktivwortschatz.