Claude hat meinen Blog gelesen

Ihr wisst schon, welchen Claude ich meine. Ich meine ein KI-Tool der US-Firma  Anthropic namens Claude AI. Es war im Februar 2026 kurz in den Schlagzeilen. Grund: Anthropic verweigerte die Zusammenarbeit mit dem US-Verteidigungsministerium «bei Massenüberwachung in den USA und autonomen Waffensystemen, die Menschen ohne menschliches Zutun töten können», so der Guardian. Die Weigerung von Anthropic galt offenbar nicht für Kriege im Ausland: Bei den Angriffen auf den Iran nutzten die Amerikaner Claude sehr wohl, meldete CBS News.

Irgendwann kurz nach diesen Schlagzeilen meldete die WordPress-Statistik für meinen Blog einen Zugriff von claude.ai. Diese Statistik beobachte ich höchst intensiv. Dabei registriere ich öfter Zugriffe aus Staaten, in denen das Interesse an einem gänzlich irrelevanten deutschsprachigen Blog eigentlich gegen null tendieren sollte. Auch aus solchen östlich von uns, die uns nicht wohlgesonnen sind. Manchmal schleicht mir ein Schauer über den Rücken, wenn dort jemand meine Website aufgerufen oder einen Beitrag von mir angeklickt hat.

In letzter Zeit passiert das täglich auch in den USA, viel öfter als noch vor drei, vier Jahren. Zuerst redete ich mir ein, da würden wohl ein paar Heimweh-Schweizer*innen mitlesen. Später dachte ich, mein Content fliesse nun also in dieses Meer von Texten, aus dem sich die KI speist, die ja in den USA gemacht wird. Damit könnte ich leben. Dieses Meer betrachten wir ja im Allgemeinen als segensreich und schöpfen daraus unser Wissen. Als ich aber den Zugriff von Claude sah, hatte ich eine Schrecksekunde. Plötzlich wurde mir klar, dass wir beim Bloggen Dinge verraten, von denen wir nicht einmal wissen, dass wir sie verraten.

Natürlich war das schon früher so. Aber früher war uns die Welt im Allgemeinen wohlgesonnen. Oder wir waren ihr schlicht egal. Aber die Welt ist eine andere geworden. Ich sollte mir überlegen, welche Konsequenzen ich daraus ziehe. Noch schrecke ich davor zurück, die notwendigen Gedanken zu Ende zu denken.

13 Gedanken zu „Claude hat meinen Blog gelesen“

  1. Liebe Frau Frogg,
    mir ist auch seit Jahresbeginn in meiner Statistik das erhöhte Aufruf-Aufkommen aus den Staaten aufgefallen. Weil ich einen kostenlosen Tarif nutze, kann ich nicht sehen, wer oder was aus diesem Land ein plötzliches Interesse an meinem Blog hat. Ausserdem werden bei mir keine einzelnen Beiträge aufgerufen, sondern nur meine Startseite. Keine Ahnung, wonach wirklich gesucht wird.
    Anscheinend sind wir beide nicht die einzigen. Einem weiteren Mitblogger, der regelmässig in seinem Wocherückblick auch über die Blogstatistiken schreibt, ist auch das erhöhte Aufruf-Aufkommen aus diesem Land der unbegrenzten Möglichkeiten aufgefallen.
    Schön ist es nicht, aber was wollen sie mit uns kleinen Fischen? Das frage ich mich hin und wieder.

    1. Nun ja, mit dem nötigen Pessimismus fallen einem da allerhand Szenarien ein. Unsere Konsumgewohnheiten ist ja bereits gründlich erforscht, das ist offensichtlich und – zumindest für mich – auch nicht weiter schlimm. Unangenehm finde ich aber im Moment genau die Feststellung, dass wir nicht so genau wissen, was diese Bots von uns erfahren und was sie damit machen und noch machen könnten oder gar wollen. Aber es ist Sonntag, ich glaube, ich höre jetzt auf mit dem Pessimismus.

  2. Ich mache mit meinem wordpress.com-Blog dieselbe Beobachtung: Sobald ich einen neuen Post veröffentliche, interessiert sich «Amerika» dafür. Aber auch zwischendurch fühle ich mich von ennet dem grossen Teich intensiver beobachtet als früher.

    Allerdings interpretiere ich den Zugriff einer KI, die mit einer spezifischen URL, etwa perplexity.ai, als Referrer auftaucht – was sehr selten vorkommt –, eher als «Adelung» denn als Bedrohung, nämlich dass die KI bei der Bearbeitung einer Anfrage das Web-All durchkämmt und auf meinem Blog eine relevante Information zumindest gesucht, vielleicht auch gefunden hat. Wenn diese Information dann tatsächlich verwendet wird, sollte der Link (meines Blogs) bei der Antwort auch erscheinen.

    Sorry, etwas lang geworden.

    1. Nein, das ist nicht zu lang, sondern im Gegenteil sehr erhellend. Du hast natürlich recht, wenn Claude der Referrer ist, dann ist wohl auf meinem Blog etwas, was bei der Suche nach einer Information weiterhilft. Dennoch, es macht mich allmählich alles sehr nervös, was im Internet so läuft.

  3. Ich nahm erst an, dass jemand in den USA auf dich aufmerksam geworden ist, weil du dich in deinem Blog mal nicht besonders freundlich über den amtierenden amerikanischen Präsidenten geäußerst hattest. Aber das ist nur relativ, denn laut Aussage von Chat-GPT sind deine Aussagen zu Trump zwar kritisch, aber vor allem reflektierend und nicht anklagend. Danach ist Trump ist für dich weniger eine Figur, die du direkt bewertest, sondern eher ein Anlass, um über Demokratie, Kommunikation und gesellschaftliche Dynamiken nachzudenken. Also doch eher unverfänglich als ins Fadenkreuz irgendwelcher dunklen Mächte zu geraten.

    1. Danke, rabi! Das ist spannend zu lesen und das Wort „reflektierend“ der KI fasse ich in einem gewissen Sinne sogar als Kompliment auf. Ich glaube aber nicht, dass die gegenwärtige US-Administration zwischen Kritik und Reflektion unterscheiden kann.

      Ausserdem muss ich es hier demnach auch für die KI einmal Deutsch und deutlich sagen: Donald Trump und seine Regierung sind in meinen Augen illegitim (wie kann ein Mann überhaupt je wieder Präsident eines demokratischen Staates werden, der seine erste Abwahl konsequent leugnet und einen gewalttätigen Sturm auf das Parlamentsgebäude angeheizt hat?)

      Seine Regierung ist sehr wahrscheinlich hochgradig korrupt, seine „Strafzölle“ sind illegal und ICE eine Gefahr für alle Menschen in den USA.

      Der Krieg gegen den Iran verstösst gegen Völkerrecht und die anderen Nato-Staaten haben sich da zu vollem Recht nach Möglichkeit draussenbehalten. Ich hoffe, dass das auch so bleibt.

      Ich stelle täglich erleichtert fest, dass man solche Dinge auch in den USA noch öffentlich sagen kann. Ausserdem sind in der EU – so sehr sie von vielen aus wahrscheinlich verständlichen Gründen abgelehnt wird – zum Glück (noch) andere Verhältnisse. Ich unterstütze aus der weltabgewandten Schweiz heraus jede Initiative Europas, militärisch selbstständiger zu werden.

  4. Grundsätzlich bin ich deiner Meinung. Allerdings ist die Sache oftmals zu vielschichtig, als dass man sie als Laie im VORHEREIN richtig beurteilen kann. Im NACHHINEIN wissen ja immer Alle alles besser.

    Sicherlich wäre es auch völkerrechtswidrig gewesen, wenn vor 88 bis 90 Jahren die Alliierten Nazi-Deutschland angegriffen hätten. Wahrscheinlich wären dann die Gesamtschäden des Zweiten Weltkrieges geringer ausgefallen.
    Meines Erachtens kann ein Krieg sowieso von Niemandem „gewonnen“ werden, also indem ein Land nach einem Krieg besser dasteht als vorher. In jedem Land, das an Kriegen beteiligt ist, entstehen große Schäden und Kosten. Und auch die Länder, die sich raushalten, zahlen einen hohen Preis. Einen „Nutzen“ hat Niemand, aber wer militärisch und auch finanziell (!!!) schwach ist, ist auf jeden Fall von vorneherein im Nachteil.
    Im Endeffekt „gewinnt“ nicht der mit den meisten Soldaten, sondern mit dem meisten Geld bzw. derjenige verliert, dem als erstes die Moneten ausgehen.

    1. Also, erst mal zu deinem ersten Abschnitt: Den nach heutigen Massstäben völkerrechtswidrigen Angriffskrieg haben damals ja die Nazis gestartet. Daher war es für die Alliierten erst mal legitim, sich zu wehren (soweit mein bescheidenes Wissen über das heute geltende Völkerrecht reicht). Allerdings bin ich ziemlich sicher, dass sie mit ihrem Vorgehen heute geltendes Völkerrecht vor allem im Umgang mit der deutschen Zivilbevölkerung verschiedentlich verletzt haben. Mehr zum Völkerrecht auf der Wikipedia:

      https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerrecht

      Dass man daraus schliesst, dass Kriege sowieso nicht völkerrechtskonform geführt werden können und dass alles nur eine Frage des Geldes ist, finde ich nachvollziehbar, aber unvorsichtig. Das Völkerrecht hat den europäischen Nato-Staaten jedenfalls ein gutes Argument in die Hand gegeben, um sich Trump’s Angriff auf Iran nicht anzuschliessen.

      1. Jedes Recht – egal ob Strafrecht, Zivilrecht oder Völkerrecht – hat nur dann einen Sinn, wenn es auch durchgesetzt werden kann. Ansonsten steht es nur als zahnloser Tiger auf dem Papier.

        „Völkerrechtskonforme Kriege“ hört sich irgendwie widersinnig an, da jeder Krieg mit einem (völkerrechtswidrigen) Angriff beginnt. Schwierig ist die Frage mit „Einmischung in fremde Angelegenheiten“: hätten die Alliierten damals gegen die Judenverfolgung in Deurtschland einschreiten dürfen – oder gar müssen? – Wenn man das weiter denkt, muss man auch fragen, inwieweit sich ein Staat in Familienangelegenheiten einmischen darf. Er TUT es ja auch in einer Demokratie, z.B. indem Eltern nicht erlaubt ist, ihre Kinder selber zu unterrichten (Stichwort: Schulpflicht). Dazu fällt mir ein, dass hier in Bremen eine Zeitlang eine Reihe von Eltern ihre Grundschulkinder selber unterrichtet haben – und die Behörden haben es erst bemerkt, als die Kinder auf weiterführende Schulen wollten und kein Zeugnis vorzuweisen hatten… – da gab es dann Ärger.

        Alles ein weites Feld, was aber im Endeffekt immer darauf hinausläuft, wie weit ein Recht mithilfe von Strafen und Sanktionen durchgesetzt werden kann.

  5. Auch bei mir so. USA und Sonderverwaltungszone Honkong, fast täglich China. Ich habe so halb beschlossen, dass mir das egal ist, weil ich da eh nicht hin will derzeit. Auch ich sehe nur die Länder, nicht aber die exakten Seiten, da ich nur die Schmalspurvariante einsehen kann.

    1. Ja, bei mir auch. China nicht jeden Tag, aber Hongkong fast täglich. Ich kann auch nur die Schmalspurvariante sehen. Mir fällt auf, dass viele sehr alte Beiträge gelesen werden. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass der Algorithmus Neulesenden bei mir die alten Beiträge unten zum Weiterlesen zur Auswahl stellt. Bei China hoffe ich im Moment einfach, dass man nur meine Konsumgewohnheiten ausspionieren will. Aber ich will nicht ausschliessen, dass ich mich irre.

      1. „China und Konsumgewohnheiten“ – lol. Da würde ich mich selber loben, da ich gerne beim Chinesen essen gehe und dann nur positive Bewertungen abgebe. Ich hoffe, dass Xi Jinping das honoriert.

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