Schweizerdeutsch 65: Herzklopfen

S’Pöpperle (N)

Standarddeutsch: Herzklopfen – oder, im übertragenen Sinn: Lampenfieber. Die lautmalerische Vokabel meint jedenfalls jenen ängstlich-aufgeregten Zustand, den wir zum Beispiel vor einem bevorstehenden Auftritt haben. Wir können aber auch «ech ha’s Pöpperle» sagen, wenn wir auf den Ausgang des Ereignisses wenig Einfluss haben werden. Zum Beispiel vor einer Operation. Wir sagen es aber nur dann, wenn die Chancen intakt sind, dass alles glücklich herauskommt.

«Ech ha’s Pöpperle», sage ich jetzt, weil ich morgen früh ein Cochlea-Implantat eingesetzt bekomme, ein synthetisches Innenohr. Mal denke ich: «Grosser Gott! Wie konnte ich mich nur auf ein solch sinnloses Wagnis einlassen!» Mal: «Vielleicht werde ich danach irgendwann wieder besser Englisch verstehen! Vielleicht habe ich dann weniger Angst vor Kaffeeeckengesprächen und Restaurants!»

15 Gedanken zu „Schweizerdeutsch 65: Herzklopfen“

    1. Danke für die guten Wünsche, Nell. Ja, es hat alles soweit gut geklappt. Jetzt warten wir einfach mal ab, ob die Technik schlussendlich funzt. Das ist noch nicht ganz sicher.

  1. Wenn du das liest, hast du es bereits hinter dir. Ganz viel Glück – das könnte einen neuen Lebensabschnitt einläuten. 🍀🥂🫂
    Herzipumpern ist in meiner Heimat das Herzklopfen, das Herzibobberl ist der kleine Liebling. 💝🫠

    1. Danke, Janina! Es hat soweit gut geklappt. Ich hänge hier ein bisschen herum, ich bin noch eine Weile krankgeschrieben. Danach schauen wir weiter.

  2. Ich hoffe, dass alles gut geklappt hat.
    Warum bezeichnest du den Eingriff als „sinnloses Wagnis“? Wenn du jetzt klarer hören kannst, dann wirst du dich vielleicht auch fragen, warum du das nicht schon vor 10 Jahren gemacht hast (vorausgesetzt, dass es das Cochlea-Implantat da schon gab).

    1. Lieber Rabi, danke für deinen Kommentar, das gibt mir Anlass für einige Erklärungen. Erstens: Es hat alles gut geklappt, die Elektroden sitzen am richtigen Ort, die Wunde heilt gut, soweit ich es beurteilen kann. Ich bin rechts gelb im Gesicht, als hätte mir jemand eine heftige Ohrfeige erteilt, und Kauen tut noch weh. Ich bin aber wieder einigermassen bei klarem Verstand.

      Problem: Der Hörnerv spricht, so hat man mir erklärt, noch nicht auf die Elektroden im Innenohr an wie erwartet. Es kann also immer noch sein, dass das alles gar nicht funktioniert. Im Moment würde ich ohnehin noch nicht mehr hören als vorher, weil die Ärztin erst nach der Wundheilung den Knopf aufsetzen kann, der Schall in Signale für die Elektroden im Innenohr übersetzt. So ist so eine Implantierung durchaus ein Wagnis. Denn nicht nur hast du danach ein Loch im Schädel (was gewisse bildgebende Verfahren zum Beispiel bei späterem Demenzverdacht verunmöglicht). Sondern du hast ein allfälliges Restgehör zerstört und an seine Stelle einen Haufen Elektroden gesetzt. Das sind Wunderwerke der Technik, aber es ist eben Technik, nicht Natur. Ich hatte im rechten Ohr nur noch ganz, ganz wenig Restgehör, aber als Menière-Patientin mit dem typischen, schwankenden Hörvermögen gibst du die Hoffnung nie ganz auf, dass es wieder besser werden könnte. Am letzten Freitag jedoch habe ich mein eigenes Gehör im rechten Ohr für alle Zeiten zerstören lassen.

      Und: Vor zehn Jahren gab es bereits Cochlea-Implantate. Sie setzen diese aber bis heute nur bei Leuten ein, bei denen mit Hörgeräten keine befriedigenden Resultate mehr erzielt werden. Ich für meinen Teil habe links ein Phonak Naïda, das bei einem Restgehör von 6 Prozent immer noch Konversationen mit wenigen Personen in ruhiger Umgebung gut ermöglicht. Da ich rechts praktisch 0 Gehör hatte, haben sie mir die Implantierung vor einem Jahr dennoch empfohlen. 2020 war das noch nicht so. Damals hat die zuständige Ärztin mir geraten, noch zuzuwarten. Mein Restgehör sei noch so gut, dass ich mit einem Cochlea-Implantat keine gravierende Verbesserung erwarten könne.

      Man macht so ein Cochlea-Implantat nicht mal eben so. Es ist ein invasiver, langwieriger und auch teurer Eingriff.

  3. So wie du es beschreibst, hätte ich auch erst einmal abgewartet. Insbesondere, weil eine nicht einmal sicher ist, dass du hinterher wirklich besser hören kannst.

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