
Chrache (N, m)
Standarddeutsch: ein keilförmiges, abgelegenes Flusstal (siehe auch hier). Oder einfach ein sehr abgelegener Ort.
An meinem freien Tag neulich marschierten Herr T. und ich über das hügelige Land im Napfgebiet. Die Gegend heisst Luzerner Hinterland. Das klingt pejorativ, ist aber nicht so gemeint. Dennoch, von der Stadt Luzern aus gesehen ist es eine ferne Gegend. Ein Netz von Strässchen liegt auf den Hügeln, auf jeder Anhöhe ein Bauernhof. Die Wiesen strotzen vor Grün, wir sehen mehrere Männer auf Traktoren. Sie müssen ihr Heu jetzt einbringen, wo endlich wieder die Sonne scheint. Ich frage mich, wie die Leute hier jahrhundertelang gelebt haben, als es noch keine Autos gab. Ich habe eine Vorstellung, mehr aber auch nicht, denn wir wandern auf den Spuren meines Vaters, meines Grossvaters gar, und beide kann ich nicht fragen, sie sind nicht mehr.
Das hier ist alles noch lieblich. Gleich südlich von uns, näher beim Napf, da liegen wirkliche Chrächen, Bauernhöfe thronen über steil abfallenden Hängen auf seltsam geformten Kreten, unten ist Wald und ein Bach, alles verlassen, nur manchmal eine Strasse oder ein Wanderweg. Hier gibt es Orte, die heissen Geierschwand oder Fröscheloch, Haserank, Luchsern, Höll oder Graus. Oder, Chrachen aller Chrächen, der Chrachegrabe. Die Höfe auf der Höhe darüber heissen Under Chrache und Ober Chrache, und wenn du das auf der Karte siehst, dann weisst du: Richtig abgelegen ist es erst dort.

Na hoffentlich habt ihr euch keine Zecken eingefangen. Bei der hohen Wiese mit kurzen Hosen. :-/
Nein, nein, das waren keine kurzen Hosen. Das war eine anthrazitgraue, knöchellange Wanderhose. Herr T. ist ein erfahrener Wanderer. Sieht nur wegen Schattenwurf so aus.
Ah, alles klar! Ich habe mich nämlich schon sehr gewundert. 😀
Die beschriebene Wanderung erinnert mich sehr an geliebte Urlaubsorte, gerne auch abgelegen und vor allem im Nationalpark der Hohen Tauern erlebt. Auch der landschaftlichen Ursprünglichkeit wegen so hochgeschätzt, wie auch der Tatsache, dass hier kein Massentourismus stattfindet. Man begegnet Bauersleuten und Wanderern, jedoch vereinzelt, und jedenfalls immer imposanter Natur. Sehnsuchtsorte …
Liebe Grüße aus Österreich, C Stern
Ja, genau. Dieses Ausbleiben von Massentourismus bei gleichzeitig betörend üppigem Grün gehört zu den bezaubernden Dingen in dieser Gegend. Es ist für mich auch in sehr wörtlichem Sinne Vaterland. Als mein Grossvater aufbrach, um seine spätere Ehefrau (meine früh verstorbene Grossmutter) zu umwerben, könnte er diesen Weg heraufgekommen sein.