«Dieses Ding kostet etwa so viel wie ein Kleinwagen», sagte die Frau, die mir mein E-Ohr aufschaltete. Der Vergleich mit dem Kleinwagen ist auch sonst nicht so abwegig. Der Rucksack mit dem Zubehör ist fast so gross wie ein Fiat 500, und man muss auch jede Menge Fahrstunden – pardon, Hörtherapie – nehmen, um mit dem Gerät umgehen zu können.
Aber das war es nicht, was die Frau im Spital sagen wollte. Sie wollte sagen: «Schauen Sie, das Ding ist klein, aber teuer. Tragen Sie Sorge dazu.» Das habe ich verstanden, ich tue es und ich weiss zu schätzen, dass die Allgemeinheit dafür zahlt. Ich hoffe, dass ich der Allgemeinheit mit Kirschenpflücken noch lange etwas zurückgeben kann.
Wenn ich jetzt aber die ersten Erfahrungen beim Herumkurven schildern soll, dann erlaubt mir bitte dennoch ein paar Takte Sarkasmus, denn er hilft mir, mit den Dingen zurechtzukommen.
So halte ich hiermit fest: Ich höre nur mit CI zwar meinen Mann noch nicht sprechen, mich selbst aber schon. Am liebsten produziere ich die Laute «ssss» und «schschsch». Das macht Spass. Denn es klingt, wie einst Jimmy Page, wenn er Theremin spielte (hier zu hören, etwa ab der Sekunde 20). Oder wie wenn jemand seinen Kleinwagen mit einem Strahl aus dem Wasserschlauch abspritzt.
Die Hörtherapeutin sagt Sätze zu mir wie: «Im Wald hat es einen Ameisenhaufen.» Oder: «Im Wald gibt es eine Rauschenrauschen.» Hä?! Und nach dem dritten Mal verstehe ich: Ah, eine Waldspielgruppe. Sie hält sich einen Fächer vor den Mund, damit ich nicht lippenlesen kann. Sie findet, es gehe schon ganz gut mit dem Verstehen. Aber ich bin froh, dass sie mir noch keine Quantenmechanik erklären will.
Draussen im Park höre ich seltsames Gezwietsche rechts unten. Dort sind ein paar Spatzen. Ich kann rechts wieder Spatzen hören! Es klingt noch seltsam. Aber, hey: Spatzen! Und dann sass ich auf einer Parkbank träumte vor mich hin, und plötzlich hörte ich zu meiner Rechten jemanden sprechen. Tatsächlich, auf der Bank nebenan sass ein Paar. Seit mehreren Jahren höre ich Gespräche rechts bei Stadtlärm gar nicht mehr. Jetzt verstand ich zwar noch nicht was sie sagten. Und doch fühlte es sich an, als hätte ich sie unerlaubterweise belauscht. Was für ein Abenteuer, mit so einem Kleinwagen unterwegs zu sein.

Ich drücke die Daumen…, leise.😉
Leise ist immer gut. Man kann es ja lesen… 🙂
Da hoffe ich doch und wünsche es dir, dass immer besser klappt mit dem Kleinwagen. 😊
Danke, Rosa 🙂
Was sich auf der Bühne ziemlich experimentell anhörte, muss als Ohrenklang wohl recht befremdlich sein.
Ich habe schon das eine oder andere Mal einen Menschen mit so einem Cochlea Implantat gesehen – jetzt erst beginne ich ein kleines bisschen zu ahnen, was das alles bedeutet.
Da möchte ich einfach nur das Beste wünschen,
mit lieben Grüßen aus dem Nachbarland, C Stern
Danke dir 🙂 Das ist sehr lieb!
Ich habe nur ein schlichtes Hörgerät, also schlicht im Vergleich zu deinem Implantat, es ist eh ein High-Tech-Gerät. Ich kann mir gut vorstellen, dass es Gewöhnung braucht.
Danke dir, Myriade! Seit ich über das Thema schreibe, erfahre ich immer öfter, dass auch andere Leserinnen und Leser Probleme mit dem Gehör haben. Das tut mir jedes Mal leid, denn ein Gehörverlust ist für jede und jeden ein Verlust von Lebensfreude und von Selbstverständlichkeiten im Umgang mit anderen Menschen. Aber es tröstet mich in einem gewissen Sinne auch. Es zeigt mir, dass ich nicht die einzige bin, die diesen Verlust durchgemacht oder ein Leben damit verbracht hat. Ja, diese Hörgeräte sind heute kleine Wunderwerke der Technik. Ich wünsche dir einfach, dass es hilft!