
Weil ich mein E-Ohr erst seit drei Wochen hatte, verbrachten wir die Ferien dieses Jahr in der Schweiz. Im Falle eines Falles wollte ich schnell zu Hause sein. Deshalb hatte Herr T. uns eine kleine Ferienwohnung in Orselina gemietet, seiner Wunschdestination.
Ich war zuerst nicht so enthusiastisch. Wir sind ja schon so viele Male in Orselina gewesen! Doch als wir in der S-Bahn durch die Magadinoebene Richtung Locarno tuckerten, sagte Herr T. plötzlich gut gelaunt: «So, gleich halten wir beim Töneli.» Er meinte die S-Bahn-Station St. Antonino, die wir stets liebevoll «s’Töneli» nennen. Vom Zug aus sieht man dort zwar nichts als einstöckige Agglo-Gewerbegebäude, ausgestiegen sind wir noch nie. Und doch machte mich auf einmal die Vorfreude ganz flattrig. Ich konnte es kaum erwarten, wieder durch die alt bekannten Gässchen des Tessins zu streifen.
So war diese Reise keine Forschungsexpedition wie unsere letzte in die Westschweiz. Wir suchten diesmal das Vertraute. Oft waren wir wie Kinder, die immer wieder dieselben Märchen hören wollen. Und zwar genau gleich erzählt. Und nach meinem letzten Beitrag habe ich es mir noch einmal recht überlegt: Ich werde euch jetzt einige dieser Märchen auch erzählen.
Ja, und dann trafen wir in Locarno ein und stiegen in einen Bus Nummer 4 des hiesigen Verkehrsunternehmens Fart. Wieder einmal erzählte ich Herrn T. staunend, dass sogar ich die Fart-Pläne nach Orselina mit dem SBB-App endlich verstehe (früher hielt Herr T. sie im Bus als kleine Papierstösse auf den Knien und doch gingen unsere Busreisen öfter schief). Wir fuhren hinauf zum malerischen Dorf Brione sopra Minusio, wo das Fahrzeug die Nummer wechselt und zu einer 3 wird und dann: Orselina! Links im alten Dorfzentrum der Lebensmittelladen: «Schau, Inka hat sich halten können¨!» rief ich glücklich. Noch zwei Stationen, und schon sassen wir an einem gedeckten Tisch im Ristorante Stella.

Merci!
Locarno und Lago Maggiore lässt mich immer an Remarque denken, doch bin ich gespannt auf die Fortsetzung Deines Reisejournals.
Oh! Erich Maria Remarque hat in Porto Ronco gewohnt! Danke für den Hinweis. Wir waren da kurz, wanderten hin, schauten uns die Kirche oben im Dorf an, stiegen 200 oder so Treppenstufen nach Porto Ronco hinab und setzten dann nach den Brissago-Inseln hinüber. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich sein Grab besucht. Ich war sehr beeindruckt von „Im Westen nichts Neues“, mit 19.
Bestimmt sehr schön. Wir sitzen grad auf 1500m im Montafon und lassen uns langsam auf ein paar Tage Urlaub ein, zuletzt war es bei uns doch sehr anstrengend. Nicht nur ziehen wir im Haus um, ein Stockwerk höher, da unser Sohn mit Familie einzieht, nein, wir haben letzten Monat auch zwei, ja, 2 Hochzeiten gehabt! Sie haben es nicht anders getan, aber nun sind beide Töchter verheiratet.* Und wir wollen uns erholen.
*Ja, der Text, den ich heute eingestellt habe, hatte damit zu tun. Leicht verändert und um ein paar persönliche Sachverhalte gekürzt.
Oh, dann wünsche ich gute Erholung in den Bergen (dass man solche nach der Hochzeit von gleich zwei Töchtern in so kurzer Zeit braucht, scheint mir ganz klar). Und später dann guten Wohnungswechsel!