Bem Äid (eine Art Kraftausdruck)
Standarddeutsch: Beim Eid; gemeint ist wahrscheinlich der Rütlischwur. Diesen leisteten am 1. August 1291 gemäss Überlieferungen Männer aus Uri, Schwyz und Unterwalden auf einer Wiese namens Rütli am Vierwaldstättersee. Sie gelobten einander Beistand im Kampf gegen die mächtigen Habsburger. Ihr könnt das in Friedrich Schillers «Wilhelm Tell» nachlesen. Der 1. August wurde 1891 Nationalfeiertag der Schweiz (nachzulesen hier).
«Bem Äid» ist eine Redewendung, die mein Vater während meiner Kindheit noch öfter verwendete, er sagte manchmal auch «bemäich». Mittlerweile ist sie aber ausgestorben, glaube ich.
Nun erwarten wir von einem Kraftausdruck eine gewisse Kraft, eine Art magische Wirkung. Diese beschwören wir dann auch nur bei Problemen von angemessener Grösse. Bei Berufung auf den Nationalmythos würde ein grösseres Problem erforderlich scheinen. Aber «bem Äid» war für meinen Vater längst eine Formel für ganz beiläufige Handlungen geworden. Er sagte zum Beispiel: «Hött mues i bem Äid e Scherm metnäh.» Das heisst: Er hatte zum Fenster hinausgeschaut und unerwartet schwere Regenwolken gesehen. Er würde also einer alltäglichen Unbill – dem Wetter – mehr Widerstand entgegensetzen müssen als angenommen.
So wünsche ich allen einen schönen Nationalfeiertag heute. Ein Schirm ist wohl nicht erforderlich. Es ist gerade so heiss und trocken in der Schweiz, dass wir dieses Jahr «bem Äid» ohne Feuerwerk zurechtkommen müssen.

Drohnenshow vielleicht? 😉
Ach, wir sassen spät am Abend auf dem Dach unseres Hauses und blickten heiter in eine stille, ganz unfeierliche Nacht hinaus. Einmal zog sogar vom Spital her ein Helikopter über unsere Köpfe. Von irgendwoher ein Laserbeam, nur an der Ostflanke des Stanserhorns sahen wir ein den rechten Schenkel eines Schweizerkreuzes. Dort hat es entweder genug geregnet für Höhenfeuer (denkbar). Oder es waren elektrische Lämpchen in grosser Zahl. Es könnte auch an jedem 1. August so sein, das wäre ok für mich.
Für viele andere Schweizer Landsleute bestimmt auch – kost nix.
Wobei ich ja dachte, dass die klassische, vereidigte Schirmgemeinde die der old english Gentlemen wäre. Aber die Schweiz gilt diesen ja seit langem schon als beliebtes Urlaubsland, vielleicht daher die Anlehnung an die verschworene Schirmträgerschar.
»Die Schweiz ist ein exotisches Urlaubsland, wo man trotzdem ohne Jetlag
hinfliegen kann.« (Alfred Dorfer)
(Haben Sie gewusst, dass die Schweiz doppelt so groß ist wie die Niederlande?
Man müsste sie nur bügeln.)
Danke, nömix. Charmanter Wiener Schmäh über die Schweiz… immer willkommen.