
Meine Baselbieter Trilogie der letzten Woche wurde erstaunlich viel kommentiert. Richtig amüsant fand ich die Zuschriften einiger deutscher Leserinnen und Leser. Der Tenor: Warum um alles in der Welt geht man in einem Industriegebiet spazieren, wenn man in der Schweiz doch herrliche Alpenlandschaften haben könnte? Ich kann darauf nur antworten: Immer nur Berge, das kann auch einengen.
Eine Leserin aus der Pfalz schickte mir ein Bild des BASF-Geländes in Ludwigshafen im Abendrot. Es sieht grandios aus. Sie schrieb sarkastisch (ich spitze zu), dagegen sei so ein Industrieareälchen wie Schweizerhalle so viel Aufmerksamkeit doch gar nicht wert. Klar, das BASF-Areal in Ludwigshafen bedeckt eine Fläche von 10 km² (Quelle: basf.com). In der Schweiz posaunen wir potenziell beunruhigende Tatsachen nicht so laut heraus, daher ist für Schweizerhalle eine Grössenangabe schwer zu finden. Hier die Rede von 0,51 km², also ein Zwanzigstel von Ludwigshafen, aber die Zahl ist schwierig einzuordnen. Ich kann der Leserin daher nur entgegnen, was frau ja auch gerne zu gewissen Männern sagt: Grösse ist meist kein ausschlaggebendes Kriterium.
Potenziell beunruhigend ist an Schweizerhalle, dass wir es hier mit Chemie zu tun haben, also auch mit Gift. Aber wenn du an einem Samstagnachmittag so der Rheinstrasse in Muttenz entlangspazierst, dann denkst du, du bist am saubersten Ort der Welt. Man könnte hier – theoretisch – von der Strasse essen. Die Leute baden sogar im Fluss. Vielleicht gibt es hier seit der Katastrophe in Schweizerhalle 1986 wirklich bessere Kontrollen. Vielleicht lauern hinter diesen hellen Mauern auch neue Gefahren. Ich weiss es nicht. Wenn ich hier eins besser zu sehen gelernt habe, dann ist es die gewaltige Grösse meines Unwissens.
Einige haben geholfen, dieses Unwissen zu verkleinern. So schrieb der pedestrian, dass ich in Salina Raurica durchaus etwas zu Essen hätte kaufen können. Falls jemand mir doch diesen Rheinspaziergang nachtun möchte: Es gibt eine Spar-Filiale an der Längistrasse 14 (übersehen, denn mein Blick ging in die andere Richtung). Dazu zwei Tankstellenshops (verpasst, weil einen anderen Weg gewählt); und sogar eine Bäckerei (Gaugler, gut versteckt an der Netzibodenstrasse 23c).
Dies hier ist ein persönlicher Blog, daher erhebe ich keinen Anspruch auf absolute Wahrheit, profundeste Recherche und journalistisch gemachten Service. Aber ich bin immer offen für die kollektive Wahrheitssuche.
Und nächstes Mal bekommt ihr den Bericht vom Pilatusgebiet, versprochen!

Man meint ja, die Berge seien beruigender. Aber das waren sie nicht und sind es heute noch weniger, denn auch sie leiden unter den Zeitläufen. Oder anders gesagt: Obwohl die Alpen eigentlich jung sind und noch wachsen sollten rollen doch nicht nur Muren, sondern brechen ganze Gipfel ab…
Nun ja, meine Geografen-Freunde sagen zu diesem Thema jeweils: „Berge wollen vor allem eins – nach unten.“ Als Beispiel bringen sie dann gerne die Pennines in Grossbritannien, die mal Gebirge waren. Heute: Hügelland, abgeschliffen. Die Schwerkraft halt, die Erosion und so weiter. Bergstürze gab’s ja immer (womit ich nicht die grauenvolle Katastrophe im Himalaja kleinreden will, das muss für alle Betroffenen etwas vom Furchtbarsten sein, was man überhaupt erleben kann).
Aber in dieser gelassenen Geografen-Bemerkung steckt auch ein Stück Selbstsabotage, denn natürlich hat sich der Prozess der Alpen-Abflachung beschleunigt in den letzten Jahren. Relativiert man das dann und labert herum im Sinne von „wir müssen erst mal die genauen Ursachen studieren, bevor wir laut ‚Klimawandel‘ herauströten“, so stuft man die Dramatik der Klimakatastrophe herunter, jedenfalls für Laien. Und das war ja genau das, was man nicht erreichen wollte.