Sonntagmorgen: Aufbruch auf die grosse Reise

Am letzten Sonntag musste ich vor neun Uhr aus dem Haus, Herr T. und ich verreisten. Es war ein goldener Morgen. Ich nahm mein Rollköfferchen und zog los.

Unten auf der noch menschenleeren Quartierstrasse kommt eine ältere, beleibte Frau mit hennarotem Haar daher. Sie trägt einen grünsilbern schimmernden Frottee-Morgenmantel, dazu farbige Leggins und ein Paar von diesen klobigen, fast einfamilienhäuschengrossen Sneakers. Ich habe die Frau hier noch nie gesehen. Sie f¨ührt ihr Hündchen Gassi und hat selbst im Negligée etwas Königliches, etwas, was sagt: Schau mich nicht so blöd an! Geh vor mir in die Knie oder verzieh dich!

Ich verzog mich Richtung Bahnhof und machte dabei mit dem Rollköfferchen sachte Kurven um Flecke auf dem Asphalt, die wie Hundegassi aussahen. Beim Bahnhof umrundete ich eine ganze Lache. Hier muss ein Hund mit beträchtlicher Blasenkapazität vorbeigekommen sein. Ich lächelte, ich weiss nicht, warum. Ich war in jenem frühen Stadium einer Reise, in dem alle Sinne offen sind. Jener Zustand, in dem mir alles, was ich so sehe, bedeutsam, ja, wundersam und inspirierend scheint.

Im Bahnhof  schaute ich kurz ins Handy, dann hörte ich ein Rollköfferchen rumpeln, unverkennbar dasjenige von Herrn T. Ich steckte das Handy weg. Wir stiegen in den Zug.

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