Vorewäg nää!
Standarddeutsch kurz für: «Du musst die Dinge einfach vornewegnehmen, das heisst: ruhig bleiben und eins ums andere erledigen.» Achtung: «Vorewäg nää!» heisst nicht «vorwegnehmen» im Sinne von «antizipieren». Sondern eher das Gegenteil.
Morgen muss ich wieder arbeiten. Die Dinge in meinem Ressort sind während meiner zweiwöchigen Absenz nicht zu meiner vollen Zufriedenheit erledigt worden. Das habe ich herausgefunden, als ich heute Morgen meine Geschäftsmails öffnete. Ich wollte antizipieren, was mir morgen so bevorsteht. Es hat nicht zu meiner Beruhigung beigetragen.
«Vorewäg nää», würde mein Vater jetzt sagen. «Vorewäg nää», das ist die besänftigend gemeinte Antwort unserer Elterngeneration, wenn wir über Stress klagten. Im Moment bereitet die Redensart mir Kopfzerbrechen, weil sie sich über die Methode dieses «Vorewägnää» so gänzlich ausschweigt.
Also gut: Nehmen wir an, sie kommt aus den ländlichen Kindheiten unserer Elterngeneration. Dann können wir immerhin festhalten, dass meine Arbeit der Ernte auf einer Leiter im Kirschbaum ähnlich ist. Ich steige gewissermassen auf die Leiter, verschaffe mit einen Überblick über die verschiedenfarbigen Punkte im Laub und pflücke dann der Reihe nach die reifen Früchte heraus. Das ist eine schöne Tätigkeit. Was grün oder gelb ist, kann warten. Was aber mache ich mit den überreifen, ja, faul gewordenen Kirschen, die dort gerade in beträchtlicher Zahl hängen? Kann ich die einfach ignorieren? KI meint: «Faule Kirschen am Baum müssen umgehend entfernt werden, um eine Ausbreitung der Monilia-Fruchtfäule zu verhindern.»
Ja, so ähnlich ist das auch in meinem Job. Ich werde mich um alles kümmern müssen, und zwar zeitnah. Aber wenn es so ist, würde die Redensart «vorewäg nää!» wohl einfach bedeuten, dass wir gelassen bleiben sollen, auch wenn wir ein paar lange Arbeitstage vor uns haben.

