Wenn du fendsch, dass es grondsätzlech alli so söttid mache,
de mach’s eso.
Standarddeutsch heisst das: «Wenn du findest, dass alle es grundsätzlich so machen sollten, dann mach es so.» Das kommt dem vom deutschen Philosophen Immanuel Kant formulierten kategorischen Imerativ nahe: «Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.» Mit diesem Beispiel will ich zeigen, dass wir auf Schweizerdeutsch auch komplexe Zusammenhänge diskutieren. Was, so sagt man mir, bei den Dialekten Deutschlands nicht der Fall sei.
Gestern Abend zum Beispiel sassen wir zu viert zusammen und diskutierten über das Fliegen. Es ist mal wieder Rekordsommer. Unsere Flüsse trocknen grossflächig aus, Fische sterben zu Hunderttausenden. Keine von uns reist mehr per Flugzeug in die Ferien. «Aber dass man nicht fliegen sollte, ist den Leuten nicht beizubringen», warf L. ein. «Die stehen in hellen Scharen auf dem Flughafen und sagen: ‹Warum soll ich verzichten, wenn andere auch nicht tun?›»
Klar, dass ich sofort die passende Antwort für die Scharen am Flughafen parat hatte, siehe oben. Wenn niemand mehr im Flugzeug verreist, stossen wir als Weltbevölkerung mit einem relativ kleinen Verzicht merklich weniger CO2 aus. Deshalb sollten wir alle nach Möglichkeit aufs Fliegen verzichten. Simpel.
Ich warf gleichzeitig das grosse Aber in die Runde. Reisen kann unsere Haltung zur Welt verändern, kann unseren Horizont enorm erweitern, uns zu mitfühlenderen Menschen machen. Das habe ich selbst in jungen Jahren erlebt. Und dass jede und jeder von uns einen weiten Horizont haben und mitfühlend sein sollte, finde ich ebenso wichtig wie unseren Beitrag zur Zukunft des Planeten. Wohlüberlegte Ausnahmen sollten also möglich sein.


