Selbstverständlich

Beim Einkaufen im Coop muss ich mich mal kurz an dem Gestell mit den Duschgel-Aktionen festhalten. Mein Gleichgewichtssin spinnt wieder. Nur wenn ich mich irgendwo festhalten kann, fühle ich mich sicher. Ich versuche, nicht aufzufallen. Ich beobachte die Kundinnen, die an mir vorbeihasten. Wie sicher sie die Kurven nehmen! Mit welch tänzerischer Leichtigkeit sie sich drehen und wenden! Beneidenswert. Sie sehen dabei ein bisschen arrogant aus, finde ich. Wie Töchter aus gutem Hause, die Gewissheit haben, dass die Dinge ihnen ganz selbstverständlich zustehen.

6 Gedanken zu „Selbstverständlich“

  1. Daran erkenne ich, für wie selbstverständlich ich es halte, mich so“normal“ bewegen zu können. Ich denke noch nicht einmal darüber nach. Dankbar sollte ich sein.
    Gute Besserung – oder am liebsten: eine Spontanheilung.
    🙂

  2. ja, so ist es: wenn wir gesund bzw. wohlauf sind, haben wir wenig einfühlungsvermögen in solchen alltäglichen situationen mit menschen, die mit für uns ganz einfach erscheinenden dingen zu kämpfen haben, vor allem, wenn uns diese schwächen oder krankheiten nicht bekannt sind. in dieser hinsicht ist die welt grausam wie ein dschungel. die menschlichkeit hält sich zu oft versteckt.
    gut, dass du das wagnis auf dich nimmst und rausgehst!

  3. Ich habe seit ungefähr eineinhalb Jahren die Gewohnheit angenommen, mich auf den Treppen der U-Bahn, immer entlang des Geländers zu bewegen und die Hand in steter Bereitschaft mich anhalten zu können zu haben. Das ist noch ein Reflex von früher, als ich wirklich manchmal Schwindelanfälle hatte. (Damals war es die Vorstufe eines Burn-out bzw. eine leichte Depression.) Aber ich habe Angst davor, schlecht aufzutreten und auf den Stufen abzurutschen. Heute gibt es Stufen mit einer derart schlechten Geometrie, dass der Schuh nie ganz draufpasst, es sei denn, man würde seitlich absteigen.
    In alten Wiener Häusern und auf der U6-Linie, wo früher die Stadtbahn gefahren ist, kann man sehen, wie ergonomisch Otto Wagner seine Treppen ausgelegt hat.
    Mein Gleichgewichtssinn spinnt nicht, aber er könnte plötzlich spinnen. Meine Erfahrung von früher hat mich das gelehrt. Und nichts würde ich mehr befürchten, als dass ich mir ein Bein oder einen Knöchel breche.

  4. REPLY:
    es sind solche Erlebnisse, die uns merken lassen, dass es überhaupt da ist – und dass wir ganz schön froh drum sind.

    Die Beschaffenheit von Treppenstufen habe ich noch nicht so genau studiert – aber ich bin unserer öffentlichen Hand doch sehr dankbar, dass sie Treppen fast überall mit Geländern versehen hat.

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