

Die beiden Bilder hier habe ich an exakt derselben Stelle gemacht. Ich räume gerne ein, dass der Juli 2025 überdurchschnittlich regnerisch war – dennoch haute es mich fast um, als ich die beiden Fotos nebeneinander sah. Ich will mich nicht beklagen. Ich weiss, dass in fast ganz Europa extreme Trockenheit herrscht. Uns in der Stadt Luzern geht es vergleichsweise gut. Wir sind angehalten, sparsam mit dem Trinkwasser umzugehen. Aber noch haben wir den See und den Fluss, um uns abzukühlen. Es ist Sommer, und wir versuchen, trotz der grossen Hitze etwas Spass zu haben.
Heute Morgen hatten die Temperaturen leicht nachgelassen und ich hatte Zeit für einen Spaziergang. Ich ging reussabwärts. Schon kurz nach zehn Uhr sah ich an zwei Stellen mitten in der Stadt Leute für ein Bad in den Fluss steigen. Das Wasser hat laut Messstelle Geissmattbrücke um die 26 Grad, das langjährige August-Mittel liegt bei 20 Grad.

Jemand hat einen Gartenstuhl auf eines der Fundamente der St. Karli-Eisenbahnbrücke gestellt. Es sieht einladend aus. Aber wie ist das Sitzmöbel dort hingekommen? Ist jemand mit ihm hinübergeschwommen? Hinübergewatet? Unmöglich. Ich bin selbst schon in der Reuss geschwommen, die Eisenbahnbrücke Richtung Zürich weiter unten haben wir immer mit grösster Vorsicht navigiert. Auf dem Bild sieht man am Betonpfeiler der Brücke unten einen dunklen Streifen. Irgendwo in diesem Bereich ist der normale Pegelstand.

Weiter unten, am Kreuzstutz, mündet der Krienbach aus einem unterirdischen Kanal in die Reuss. Die Stelle ist mit einem grünen Baldachin aus Kunststoff überdeckt. «Kühlendes Schattennnetz für unsere Fische», steht auf dem Täfelchen der Stadtbehörde. Das Zeltdach soll Fischen nicht nur Schatten, sondern auch Schutz vor Räubern spenden. Und tatsächlich: Als ich in die Lücke zwischen Zelt und Uferwand äugte, sah ich im Wasser Dutzende fingerlange Fischchen. Aus der Tiefe stieg ein kühler Luftzug. Ich hielt kurz mein Gesicht in die Öffnung, dann wanderte ich weiter Richtung Xylophonweg.
Sensation dort ist zurzeit eine Biberfamilie, die sich unweit des dicht frequentierten Spazier- und Velowegs niedergelassen hat. Anfangs des 19. Jahrhunderts wurden die Nager in der Schweiz ausgerottet, 2008 kamen sie in den Kanton Luzern zurück. Es gibt also doch gute Nachrichten über die Biodiversität hier. Ich konnte keines der Tiere sehen, aber sehr wohl die Weidensträucher am Ufer, die von den fleissigen Bau- und Staumeistern angenagt worden sind. Sie werden noch zu reden geben, denke ich.
Am Nordpol hatten sich schon kurz nach 10.30 Uhr Badende eingefunden. Von dort ist es nicht weit bis zur Stelle, wo die Kleine Emme in die Reuss mündet, ein zugleich magischer und melancholischer Ort zwischen Autobahnauffahrt, Eisenbahnbrücke und Kehrichtverbrennungsanlage.
Während ich das Foto von der Flussmündung machte, ging eine junge Frau gleich links vom linken Bildrand hinunter zum Emmenufer. Sie zog ihr Kleid aus und watete in einem roten Bikini über das Flüsschen ans andere Ufer. Das Wasser ging ihr nur bis zu den Waden. Auf der anderen Seite stand eine ältere Frau in einem Sommerkleid. Die junge Frau nahm sie bei der Hand und beide kamen über den Fluss zurück ans diesseitige Ufer. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass man an dieser Stelle zu Fuss die Emme überqueren kann.




