Bedrohte Traumwohnung

Frogg Hall im Sommer 2015. Wie lange wohnen wir wohl noch hier?

Eines Tages im Frühjahr 2001 stieg ich in einem dieser Häuser die Treppen hinauf. Ich stieg und stieg, bis ich nicht mehr weiter konnte. Unter dem Dach sah ich meine Traumwohnung: geräumig, hell; Fenster, die sich direkt zum Himmel öffneten. Zehn Minuten Fussweg bis zum Stadtzentrum. Preislich war sie an der oberen Grenze, aber ich sagte zu Herrn T.: „Ich muss sie haben!“ Wir bekamen die Wohnung, weil wir kein Auto hatten. Garagen waren Mangelware im Quartier.

Ich nannte unser Haus Frogg Hall und habe es immer geliebt. Nach Norden geht unser Blick weit über grüne Hügel, gewelltes Land bis zum Horizont. Auf der Südseite bricht im Frühjahr eine Bärlauch-Epidemie aus, dann bauen dort uralte Eichen und Linden ein grünes Gewölbe über uns. Wenn man sie braucht, findet man geheime Gärten für rauschende Sommerfeste.

Heute wohnen wir hier spottbillig. Die Immobilienpreise in unserer Gegend wachsen, wuchern, explodieren. Manchmal frage ich mich, wer sich diese Wohnungen für 2000, für 2500, für 2800 Franken überhaupt leisten kann.

Unser Haus ist 86 Jahre alt.

Heute sah meine Nachbarin Katharina unter den Eichen einen Mann mit Plänen in der Hand. Sie fragte ihn, was er hier mache. Da machte er eine weite Geste mit der Hand. „Das kommt alles weg hier!“ sagte er. „Das kommt alles weg.“

9 Gedanken zu „Bedrohte Traumwohnung“

  1. Ich hoffe, dass sich das noch lange hinziehen wird. Oder ihr müsst halt Denkmalschutz beantragen 🙂

    Ich kann jedenfalls mitfühlen, was jetzt in Dir vorgeht.

  2. REPLY:
    Gehdistanz von zehn Minuten dürfte Dein Mitgefühl zusätzlich belebt haben, nicht wahr 😉 Sie stimmt übrigens tatsächlich: Allerdings zum Löwenplatz, den man auch noch als Stadtzentrum bezeichnen kann.

    Ich habe beim Schreiben an die Wiener Delegation gedacht … unterdessen hat sich nun herausgestellt, dass alles nicht so schnell gehen wird. Wer weiss … vielleicht reicht’s sogar für ein weiteres, rauschendes Festchen.

  3. REPLY:
    Wir haben (noch) die Personenfreizügigkeit mit der EU. In den letzten zwei Jahrzehnten sind Zehntausende Deutsche in die Schweiz eingewandert.

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