Wo das Urserntal wunderschön ist

Unterwegs von Andermatt nach Hospental. Die Grünfläche im Vordergrund ist Golfrasen, aber der Stall ist alt. (Bild: Frau Frogg)

Ich war nach Andermatt gekommen, um durchs Urserntal zu wandern. Ziel war Realp, aber ich hatte mich lange in Neu-Andermatt und der Schöllenenschlucht aufgehalten. Die Zeit würde wohl nur bis nach Hospental reichen.

Alte Kirche St. Kolumban. (Quelle: Wikimedia)

Mein Startpunkt war die Alte Kirche von Andermatt. Sie liegt, von der neuen Verkehrsplanung etwas ins Abseits gedrängt, am Dorfeingang. Erbaut zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert, verschafft sie der Spaziergängerin eine Ahnung davon, wie dünn besiedelt das Urserntal einst war. Sie bietet lediglich 100 Personen Platz und war doch bis 1602 die einzige Pfarrkirche in der Gegend. Geweiht ist sie dem Heiligen Kolumban, dem Schutzpatron der Motorradfahrer und Helfer bei Überschwemmungen. Beides passt. Im Vorgarten steht ein charmanter Gedenkstein mit einer Harfe, 2008 von irischen Botschafter gestiftet. Hier seien 1608 die letzten irischen Prinzen auf ihrer Flucht vorbeigekommen, steht darauf. Ich musste später eine Weile suchen, bis ich Informationen über die beiden Herren im Netz fand. Hier steht die Geschichte ihrer glücklosen Reise nach Mailand. Ihrem Tross soll sogar eine Ladung Gold in die Schöllenenschlucht gefallen sein. Ich wusste das noch nicht, war vom Anblick der irischen Harfe beschwingt und tänzelte Richtung Furkareuss.

Dort führt der Wanderweg zwischen Fluss und Golfplatz talaufwärts. Die Steigung ist meist unmerklich, das Tal ein breiter Trog, umringt von mächtigen Bergzacken, ein U-Tal. «U-Täler sind die Hängematten des lieben Gottes. Hier pflegt Er zwischen mächtigen, sanft abfallenden Bergflanken des Nachmittags zu ruhen!» schrieb eine euphorisierte Frau Frogg 2003 in ihren damaligen Blog. Heute würde dem lieben Gott beim Ruhen in der Ursern ab und zu ein Golfball ins Auge fliegen. Dennoch, die Landschaft bleibt grossartig. Und die Ställe sind aus Stein gebaut. Sie widerstehen so Lawinen besser, und sowieso gibt es wenig Holz hier.

Blick von der Burg auf Hospental. Im Hintergrund Andermatt.

Hospental erreichte ich nach einer Stunde, ein schmucker Ort, gepützelt und gepflegt. Ich hatte den Eindruck, dass Geld da ist, wohl auch wegen der Sawiris-Siedlung in Andermatt. Das Ortsbild ist hier aber intakt. Am oberen Dorfende zweigt die Strasse zum Gotthardpass ab, und auch der Wanderweg, den wir 2003 nahmen. Diesmal habe ich mehr Zeit, im Dorf zu verweilen und steige auch auf den Turm und geniesse die Aussicht. Dann hinunter zur Stelle, wo die Gotthardreuss in die Furkareuss mündet. Hier schicke ich meinen Freunden flussabwärts ein paar Gedanken. Das Wasser von hier fliesst irgendwann durch Luzern, Basel, Mannheim und Köln (wenn es nicht unterwegs verdunstet). Nach Realp gehe ich ein andermal.

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