Schwerhörig: Bahnhofdurchsage in Mannheim

Bahnhofdurchsagen verstehe ich oft nur fetzenweise. Meistens ignoriere ich sie, es ist ja immer alles gut angeschrieben. Aber am Auffahrtstag warteten wir am Bahnhof Mannheim auf eine S-Bahn, die mehr als eine halbe Stunde Verspätung hatte. Während wir warteten, bekam sie immer noch mehr Verspätung. Nun hörte ich dem Mann am Lautsprecher aufmerksam zu.

Es ist rührend, wie die Deutsche Bahn Zugsverspätungen stets zu begründen versucht, oft mit düsteren Vorfällen, mit Grenzkontrollen oder mit Polizeieinsätzen, die dann doch nicht genauer erläutert werden. Diesmal aber war die Erklärung für das Ausbleiben der Bahn geradezu poetisch. «Verspätung aufgrund irriger Fahrt», sagte der Mann am Lautsprecher und dann wieder: «Verspätung aufgrund irriger Fahrt.» Was ist überhaupt eine irrige Fahrt und wie kann ein Schienenfahrzeug eine solche machen? Ich rätselte, Herr T. lachte: «Nein, du hast ihn falsch verstanden. Er hat gesagt: ‹Verspätung aufgrund vorheriger Fahrt›.» Was viel prosaischer war und trotzdem Folgefragen provozierte. Wir lachten Tränen, beim Versuch, uns auf das alles einen Reim zu machen.

Schliesslich kam der Zug und hielt und wir begannen einzusteigen. Da gab es weitere Durchsage: «Abfahrt nur für mich um fünf vor drei.»

Was er wirklich gesagt hat, habe ich nie erfahren, denn die Türen gingen zu und der Zug fuhr endlich los. Mit uns.