zämeschtifle (V)
Standarddeutsch: eigentlich «zusammenstiefeln», das Verb «schtifle» ist jedoch hier eine verballhornte Form des Wortes «stellen»; also «etwas aus verstreut herumliegenden Teilen zusammenstellen» oder «provisorisch zusammenbasteln».
Zwischendurch kann ich euch ein bisschen Politik nicht ersparen. Zum Beispiel heute, denn beim Sichten der News heute früh regte ich mich mal wieder furchtbar über Donald Trump auf. Hat er doch eine 10 Milliarden-Klage gegen den britischen Fernsehsender BBC lanciert! Wegen eines unzulässig verkürzten Zusammenschnitts einer Trump-Rede, der nur das zum Ausdruck brachte, was wir längst als erwiesen ansehen dürfen: dass Donald Trump der Hauptschuldige am Sturm aufs Kapitol am 6. Januar 2021 war (siehe hier).
Also, eigentlich regte ich mich weniger über Trump auf als über die Leute in meinem Freundeskreis, die noch nicht begriffen haben, was es hier gespielt wird. Die immer noch sagen: «Joaaa, aber BBC hat doch wirklich einen Fehler gemacht!» Damit hat Trump schon erreicht, was er will. Denn, ja, der Zusammenschnitt war unsorgfältig. Aber es war ein Patzer, der im täglichen Medienbetrieb passieren kann und sich bei normalem Lauf der Dinge mit einer Entschuldigung hätte aus der Welt schaffen lassen. Aber vieles ist heute eben nicht mehr normal. Ich schimpfe: «Hier geht es einzig und allein darum, die Medien Europas zu schwächen!» Dass ausgerechnet der hoch verehrte öffentlich-rechtliche Sender BBC Trump einen derart willkommenen Anlass geboten hat, wird Trump nun bis zur bitteren Neige auskosten. Denn es bleibt doch immer etwas hängen. Und seine Mittel zum Prozessieren sind ja fast unbeschränkt.
«Versteht denn das niemand?!» lärme ich aus dem Bad zu Herrn T. «Trump und seine Tech Bros nutzen doch die Justiz nur, um mit ihren Milliarden die Demokratie in die Knie zu zwingen!» Herr T. reibt sich noch den Schlaf aus den Augen und ist verärgert darüber, dass er sich schon vor dem Kaffeetrinken über Donald Trump aufregen soll. Er brummelt: «Doch, das verstehen viele Leute. Es gibt sogar einen Fachbegriff dafür. Er kommt mir nur gerade nicht in den Sinn.» Aber er ist ein guter Ehemann, und so hantiert er geduldig mit dem Handy. Dann sagt er: «Schau, KI hat mir eine ganze Reihe von Begriffen für missbräuliche Klagen zusammengestiefelt.» Hobby-Juristin Frogg liest und findet hier genau den Begriff, der in ihren Augen die Sachlage umschreibt: Es dürfte sich um eine SLAPP-Klage (Strategic Lawsuit Against Public Participation) handeln. Die Klage ist an einem Bezirksgericht in Florida deponiert. Dort, wo auch Trump’s Anwesen Mar-a-Lago liegt. Ob das Gericht dort das so sieht wie ich, müssen wir jetzt halt abwarten.

Frau Frogg hat recht.
Danke, Matthias!
„Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand“, sagt ein altes Sprichwort. Und die Amis haben (nicht erst seit Trump) ohnehin ein ziemlich anderes Rechtsverständnis als Europäer. Allein, wenn ich an den Auslöser der Finanzkrise von 2007 denke, und wie viele Europäische Gemeinden von Amerikanischen Institutionen um viel Geld betrogen worden sind. Wenn das umgekehrt geschehen wäre, dann hätte es bestimmt hohe Strafen gegeben (siehe VW-Abgas-Skandal), so aber hieß es nur „stupid German money“.
Wer finanzielle und militärische Macht hat, der hat es eben auch vor Gericht leichter – das ist die neue (?) Gerechtigkeit.
Danke für den Kommentar, Rabi. Der Vergleich von Gericht und hoher See ist in der Tat fast schon poetisch. Durch die USA geschädigte Europäische Gemeinden: Meinst du den Fall Madoff? Madoff verzockte in der Tat auch sehr viel europäisches Geld – wer den Wikipedia-Beitrag liest, bekommt zum Beispiel den Eindruck, der Fall Madoff hätte beinahe zum Untergang der UBS in der Schweiz geführt (die in der Tat vom Steuerzahler gerettet werden musste). Über ihn wurde ja dann der Konkurs verhängt, und er ging auch ein paar Jahre ins Gefängnis. Auch in Luxemburg, Frankreich und Spanien wurden Banken schwer geschädigt. Es gab ein Konkursverfahren und Madoff musste (vielleicht zu wenig lang ins Gefängnis). Oder gibt es da noch mehr?